Früher gehörte es zu den Aufgaben eines Land-
seer´s, die Netze und Boote der Fischer aus dem
Wasser zu ziehen und diese auch zu bewachen.
Sie retteten Schiffbrüchige und zogen, in ein Ge-
schirr gespannt, auch das Holz aus den Wäldern.
Um diese Aufgaben erfüllen zu können, musste der
Hund bestimmte Eigenschaften mitbringen, die ihm
bis heute erhalten geblieben sind.
So war ein starkes Selbstbewusstsein, hohe Wach-
samkeit, die Bereitschaft zum Apportieren, aber
auch ein hohes Maß an Eigenständigkeit erforder-
lich.
Im Haus ist er meist ein ruhiger und ausgeglichener
Hund, der aber, wenn er von seinem Menschen
gefordert und gefördert wird, sich zu einem echten
“Powerpaket“ entwickeln kann.
Vom Landseer ist kein „Kadavergehorsam“ zu er-
warten und auf Druck reagiert er meist mit sturer
Ignoranz. Diese Hunde sollten mit Ruhe, Konse-
quenz und einem gewissen Maß an Ignoranz
erzogen werden. Es gilt, ihn zu überzeugen,
denn er ist ein stolzer Hund, der ungern sein Ge-
sicht verlieren will.
Eine sinnvolle Beschäftigung wie Wasserarbeit oder
Apportierübungen, die Mensch und Hund Spaß
machen, fördern die Zusammenarbeit und die Bin-
dung zwischen Mensch und Hund.

















Da der Landseer aufgrund seiner Größe über enor-
me Kraft verfügt, versteht es sich fast von selbst,
dass man ihn nicht mit Kraft, sondern mit Herz und
Verstand führen sollte.
Menschen gegenüber ist er meist freundlich und
auch mit Kindern kommt er sehr gut zurecht.
Seine eigene Sicherheit, die der Familie und die von
Haus und Hof sind ihm besonders wichtig.
Die meisten Landseer wachen über ihr “Imperium“
sehr souverän und beeindrucken alleine durch ihr
Erscheinungsbild, so das diese Hunde selten
Probleme machen.
Es gibt jedoch auch jene, die nicht so souverän und
selbstbewusst sind, die mit der Rolle des „Haus-
herrn“ total überfordert sind. Solch ein Hund wird
unter Umständen häufiger Probleme machen, spe-
ziell in Verbindung mit Artgenossen. Daher ist es
wichtig diesem Hund eine klare Rudelstruktur zu
bieten, damit er weiß, wo sein Platz ist. Dort sollte
er sich wohl fühlen und nicht dem Druck der Ver-
antwortung für die ganze Familie ausgesetzt werden.
Denn haben wir ihm erst einmal, wenn auch unbe-
wusst, diese Verantwortung übertragen, wird er
diese Aufgabe konsequent und mit großer Eigen-
ständig erfüllen.
Doch mit den Konsequenzen können und wollen wir
in der heutigen Gesellschaft nicht leben, denn sollte
unser Landseer einmal Nachbars „Lumpi“ auf
hündische Weise klarmachen, dass er in der Nähe
unseres Grund und Bodens nichts verloren hat,
dann ist das Geschrei groß.
Viele Hunde mussten genau aus diesem Grunde
schon ihr Leben lassen oder fristen es hinter einem
hohen Zaun, da sich ihre Besitzer nicht mehr mit
ihnen auf die Straße trauen.
Uns ist es ein großes Bedürfnis diesen wunderbaren
Hund so darzustellen, wie er wirklich ist. Haben Sie
ihm erst mal bewiesen, dass Sie über gute Füh-
rungsqualitäten verfügen, seine Bedürfnisse be-
friedigen und seine Persönlichkeit respektieren, so
wird er sich gerne einordnen und sein Leben lang
ein toller Weggefährte sein, der durch seinen un-
beschreiblichen Charme einen bleibenden Eindruck
hinterlässt.
S. Stausberg
Berichte aus der Erziehungsberatung
Vor einiger Zeit wurde ich von einem netten Herrn
um die Hilfe bei der Erziehung seiner Landseer-
hündin gebeten, die er vor ein paar Jahren aus der
Notvermittlung übernommen hatte.
Erziehung war für sie bisher wohl ein Fremdwort
und so machte sie gerade das was sie wollte.
Außerdem brauchte man eine Menge Humor, denn
die junge Dame hatte wirklich nur Unsinn im Kopf
und verursachte im neuen Zuhause ein ziemliches
Chaos. Das sollte nun anders werden.
Mit frohem Mut, viel Geduld und der Unterstützung
der Bonner Landseertreffen, ging es ans Werk und
der großartige Einsatz begann auch Früchte zu
tragen, doch ein Problem blieb nach wie vor.
Sie hatte es sich zur Angewohnheit gemacht,
anderen Hunden sehr respektlos gegenüber zu
treten und versuchte sie unterzubuttern. Es kam
zwar nie zu einer ernsthaften Auseinandersetzung,
aber jede Begegnung mit anderen Hunden,
glich einem Spießrutenlauf, da sie sich meist wie
eine Furie aufführte.
Die Therapie war recht einfach, denn meist handeln
die Hunde, die den größten Wirbel veranstalten,
aus Unsicherheit und so war es auch bei ihr.
Mit kleinen Veränderungen im Haus, z.B. durfte sie
nicht mehr als erste an die Tür, bekam einen festen
Liegeplatz (und zwar nicht im Flur) und mehr Ig-
noranz, zeigten sich schnell kleine Erfolge. Zudem
bekam sie eine sinnvolle Aufgabe, damit sie aus-
gelastet und somit auch ausgeglichener wurde.
Beim Spaziergang achtete man jetzt auf eine
größere Distanz zu anderen Hunden, die mittler-
weile schon erheblich geringer geworden ist.
Diese Individualdistanz ist bei jedem Hund unter-
schiedlich und sollte respektiert werden. Hat der
Mensch erst mal das Gefühl dafür bekommen,
welchen Abstand er einhalten sollte, wird der Hund
ihm diese Vernunft danken.
S. Stausberg